Letzter Brief der Brigitte-Wegenast-Stiftung

2014_12_letzerBriefBrigitteWegenastDezember 2014

Liebe Freunde und Spender der Brigitte-Wegenast-Stiftung,

es fällt mir nicht ganz leicht, statt des üblichen Jahresberichtes gleichzeitig einen Abschieds- und Abschlussbericht zu verfassen.

Nach 30 Jahren, vielen mit Erfolg durchgeführten Projekten, auf die ich nachher noch näher eingehen möchte, habe ich mich entschlossen, die Stiftung Ende des Jahres aufzulösen. Der Zahn der Zeit nagt nicht nur an mir, sondern auch an meinem Mann als buchführendem Mitarbeiter, der mich in den letzten Jahren nach besten Kräften unterstützt hat.

Vieles ist in den letzten 30 Jahren mit Ihrer bzw. Eurer Mithilfe auf die Beine gestellt und erfolgreich weitergeführt worden.

Das dritte Projekt ist ein Waisenhaus in Minas Gerais, das von einem holländischen Industriellen Anfang der 90er Jahre gebaut, ausgebaut und geleitet wurde. Das Ziel war, die Kinder von der Straße und aus kaputten Familien zu holen und sie durch Ernährung, Schulbildung und Resozialisierung, Zuneigung und Zuwendung für ein weiteres Leben zu festigen. Das ist in vielen Fällen auch gelungen, die Ziele waren hoch gesteckt und es sind Generationen von Jugendlichen hervorgegangen, die sich jetzt wiederum um die jüngeren, hilflosen kümmern.

Als ich 1995 zum ersten Mal auf das Heim aufmerksam wurde, wurden dort 70 Kinder betreut, zu ca. 20 Km entfernten Schulen gebracht und wieder abgeholt, was auf Erdstraßen oft nicht so ganz einfach war. Mit vielen Helfern und Spenden wurde die Einrichtung eine der mustergültigsten (im guten Sinne) im weiten Umkreis. Jetzt, nachdem viele Kinder dort aufgewachsen sind und nun im Leben stehen, wurde das Heim Anfang dieses Jahres zu einer Tagesbetreuungsstätte für Kinder umfunktioniert und nimmt Kinder zu Schulzwecken, Hausaufgabenbetreuung und Musikunterricht auf. Dieses „Recanto São Francisco‟ wird und wurde von mir bis Ende 2014 mit Spenden unterstützt.

Zwischendurch gab es natürlich während meiner 30jährigen Sozialarbeit noch unzählige Kleinprojekte, Spontanhilfen und Kurzzeitbetreuungen. Alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Dank Ihrer bzw. Eurer Mithilfe war vieles möglich. Befriedigende, arbeitsreiche und erfüllende Tätigkeit, die ich jetzt in meiner näheren Umgebung fortsetzen möchte.

Es bleibt mir nur zu danken für das immense Vertrauen und die Spenden, die im Laufe der vergangenen 30 Jahre eingegangen sind. Zuerst an mein privates Spendenkonto bei der Volksbank Tübingen, ab 1992 über die „Humanitas Frankfurt e. V. ‟ und ab Mitte 2005 an die Brigitte-Wegenast-Stiftung, die ich zum 31.12.2014 auflösen werde.

Ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest, viel Gesundheit, Liebe und Solidarität wünscht Euch und Ihnen

Ihre

Brigitte Wegenast

Weihnachtsbrief vom Kinderheim

2014.12.14_WeihnachtsbriefVomKinderheim

When, at Christmas, we celebrate the birth of Jesus, we are embracing the new, with a heart full of hope, for a better future. We become aware of a light in the darkness, a new direction.

After 21 years of social work as an orphanage, the Recanto São Francisco had to adapt itself to the changes occurring within society. It was no longer allowed to continue as a shelter for youth/teens who needed protection and guidance for an extended period, longer than 6 months. We knew that nothing is permanent, everything is constantly changing, the Recanto, is not an exception.

We did not want to give up. The willingness to do our part to make this world a little better, more just and loving to everyone, is as strong as it was in the days of initiating the Recanto São Francisco.

Our good infrastructure, our experience of many years as our many olive trees, we wanted to share with people who live on the margins of our society with few expectations of change.

Thus was born the project called ” Arco Iris”. Children from the lower dass, often from broken up families, with difficult social behavior, and poor school results can find a place with inspiring activities before or after school. With well-prepared mentors, talents will be strengthened and a way will be found to share these talents with others. A journey of “me” to “us”, a path where human values can be put into practice.

We thank all who contributed and continue collaborating so that our project becomes a place of real and effective social changes,encouraging a new generation to follow “Truth”, “Correct Action” and compassion.

Merry Christmas and a happy new year

 

Deutsche Übersetzung

Wenn wir an Weihnachten die Geburt Jesu feiern, umarmen wir das Neue mit einem Herzen voller Hoffnung für eine bessere Zukunft. Wir erkennen ein Licht in der Dunkelheit, eine neue Richtung.

Nach 21 Jahren der Sozialarbeit als ein Waisenhaus, musste sich das Recanto São Francisco den Änderungen innerhalb der Gesellschaft anpassen. Es wurde uns nicht mehr erlaubt ein Zufluchtsort für die Jugend/Teenager zu sein, die Schutz und Führung für einen längeren Zeitraum als 6 Monate benötigen. Wir wussten, dass nichts von Dauer ist, alles ist ständig in Bewegung, das Recanto ist da keine Ausnahme.

Wir wollten nicht aufgeben. Die Bereitschaft unseren Beitrag zu leisten, diese Welt etwas besser zu machen, gerechter und liebevoller für jeden, ist so stark wie in den Tagen des Beginns des Recanto São Francisco.

Unsere gute Infrastruktur, unsere langjährige Erfahrung wie auch unsere vielen Olivenbäume wollten wir mit Menschen teilen, die am Rande unserer Gesellschaft leben und nur wenig Aussicht auf Veränderung haben.

So war das Projekt namens “Arco Iris” geboren. Kinder aus den unteren Schichten, oft aus zerrütteten Familien mit schwierigem sozialem Verhalten und schlechten Schulleistungen können hier einen Platz mit inspirierenden Aktivitäten vor oder nach der Schule finden.

Mit gut vorbereiteten Mentoren werden Talente gestärkt und ein Weg gefunden, um diese Talente mit anderen zu teilen. Eine Reise von “mir” zu “uns”, ein Weg, in dem die menschlichen Werte in die Praxis umgesetzt werden.

Wir danken allen, die dazu beigetragen haben und weiter beitragen werden, so dass unser Kooperationsprojekt zu einem Ort von tatsächlichen und wirksamen sozialen Veränderungen wird, das eine neue Generation ermutigt wird, der “Wahrheit”, dem “Korrektem Handeln” und dem Mitgefühl zu folgen.

Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr

Weihnachtsgrüße von Svani

Extrema, 18.12.2014

Liebe Renate

Euch ein friedvolles Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr!!! Wir hatten am letzten Samstag unser Fest im Recanto für die Eltern und Kinder. Es war sehr beeindruckend nach 2.5 Monaten ein solches Feedback zu bekommen. Es waren fast alle Eltern da. Die Prefetura hat uns einen Bus gestellt, da ja viele der Eltern kein Auto haben. Die Kinder haben ganz stolz ihre verschiedenen Workshops gezeigt und erklärt, haben gesungen und getanzt. Alle waren ganz begeistert über den Platz und die Arbeit. Die Ergebnisse unserer Arbeit wurden sehr gelobt. Kinder benehmen sich besser zu Hause, sind ausgeglichener und gehen früher ins Bett, da sie ausgepowert sind und das nach 2.5 Monaten finde ich wirklich toll. Der Erfolg hat die Prefetura dazu bewogen einen Omnibus uns über die Ferienzeit zu stellen, so können wir offen bleiben bis die Schule wieder anfängt, was für viele Eltern eine Erleichterung ist, da sie keine Aufsicht für ihre Kinder haben während der Ferienzeit. Leider müssen wir den Fahrer selber bezahlen!! Geld ist leider immer weniger, aber wir geben nicht auf!! Die Kinder sind teilweise schwieriger als unsere Heimkinder und für uns ist die Herausforderung oft größer, aber auch wichtiger, denn hier können wir Kinder auf eine lange Zeit begleiten, was der Staat bei Heimkindern ja leider unmöglich gemacht hat. Viele der Ongis mit Heimen schließen und machen das gleiche wie wir. So können wir wieder Kindern helfen, die ein kaputtes Zuhause haben ohne die Vorschriften der Regierung!!! Wir haben einen Film gedreht, mit dem wir an die Industrie gehen wollen wegen Spenden. Wenn er fertig ist, werde ich dir eine CD schicken. Ich versuche mal, ob ich es schaffe, dir die Fotos davon zu schicken.

Euch allen ganz liebe Grüße aus dem absolut unweihnachtlichen Brasilien.

Svani

Anmerkung: “Ongis” = Organisationen

Telefongespräch mit Svani

15.09.2014

Telefongespräch mit Svani

Das Projekt „Arco Iris“ wurde am 1. September 2014 gestartet.

Im August wurden viele Renovierungsarbeiten im Recanto geleistet: Zaun, neue Elektrizität, Räume gestrichen etc. Das war kostspielig.

Am 1. Tag kamen ca. 20 Kinder zwischen 6 und 12 Jahren, inzwischen sind es morgens ca. 30 Kinder, nachmittags weniger. Es handelt sich um Kinder, die tagsüber unbetreut sind (sofern sie nicht in der Schule sind) und vor dem Fernseher oder PC oder auf der Straße ihre Zeit verbringen. Das Recanto hat Platz für je 40 Kinder morgens und nachmittags. Die Betreuung ist kostenlos und finanziert sich durch Spenden.

Insofern versteht sich das Projekt als „Prävention“. Konzept: s. Powerpoint Präsentation

Geworben wurde für dieses Projekt (Hortbetreuung außerhalb der Schulzeit) durch einen Aushang im Supermarkt. Unmittelbar danach meldeten sich 20 Kinder an.

Die Familie Brenninkmeijer hat sich aus der Unterstützung dieses Projektes stark zurückgezogen. Daher ist Unterstützung von anderen Gruppen sehr wichtig.

Die Stadtverwaltung stellt einen Bus für den Transfer der Kinder aus der Stadt zum Recanto. Sie spendet aber keine Brötchen mehr für die Verpflegung.

Personal für die Durchführung: 6 Lehrer (sie arbeiten nicht immer alle gleichzeitig), Köchin, Koch- und Putzhilfe, Sekretärin, Psychologin, Hausmeister.

Es gibt eine Lehrküche, in der die Kinder Herstellung von gesundem Essen lernen sollen.

Die Kosten für die Unterhaltung des Hauses und die Löhne der Mitarbeiter sind nicht viel geringer als für das Heim (allein ca. 30.000 Reais für die Gehälter)

Da noch die Bescheinigung der Gemeinnützigkeit fehlt, können noch keine Spendengelder bei Firmen eingeworben werden. Svanis Mann Ulf kümmert sich gerade darum.

Die Arbeit mit den Kindern macht Spaß, sie kommen gerne und nehmen gerne an den angebotenen Aktivitäten teil. Das war zuletzt bei den Jugendlichen im Heim nicht mehr so.

Weihnachtsbrief vom Kinderheim

2013-12_WeihnachtsbriefExtrema, Weihnachten 2013

Wie von Zauberhand geführt, fühlen wir uns in dieser vorweihnachtlichen Zeit sensibler und nachdenklicher.

Wir öffnen unsere Herzen weiter und überdenken unser Tun und Handeln des vergangenen Jahres. Wir vom Heim São Francisco reflektieren über unsere gegebene Hilfe und wo wir noch mehr hätten helfen können.

Wir denken mit viel Liebe und Dankbarkeit an Eure Unterstützung, sei es finanziell, mit Sachwerten oder voluntarisch mit Eurer Hände Arbeit.

Ohne die Hilfe eines jeden von Euch, wäre uns vieles nicht möglich gewesen. Besonders in diesem Jahr, in dem wir uns an die neuen Gesetze anpassen müssen.

Wir bemühen uns weiterhin den Kindern Selbstvertrauen, menschliche Werte, Respekt in sich selbst und anderen gegenüber, zu vermitteln. Damit sie, wenn sie uns verlassen, Vertrauen in ihre eigene Zukunft gewinnen und gute und anerkannte Bürger für unsere Gemeinde sein können.

Wir wünschen Euch von ganzem Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest im Kreis Eurer Familie.

Für das Neue Jahr wünschen wir uns und Euch Gottes Segen und mehr Menschlichkeit in dieser Welt, so wie es unser Vorbild, São Francisco von Assisi uns vorgelebt hat.

Nochmals ganz herzlichen Dank, auch im Namen unserer Angestellten.

Oscar, Svani, Roseli

Feliz Natal Próspero Ano Novo (= Frohe Weihnachten Erfolgreiches Neues Jahr)

Brief von Svani

Extrema, Juni 2013

Liebe Renate,

Jetzt muss ich mir ja doch mal die Zeit nehmen und Dir antworten. Wir richten im Juli eine Hochzeit aus in dem neuen Restaurant, und so sind wir alle voll im Stress. Die Email von Oscar stimmt eigentlich. Ich werde ihm aber gerne deine Mail weiterschicken. Er ist seit einiger Zeit nur selten im Orfanato. …… Zum Glück haben wir ja die Roselie, die ein Geschenk des Himmels für uns ist. Im Orfanato haben wir nach wie vor die gleichen Probleme mit Extrema. Die Stadt trägt ihren Namen zu Recht. Die Olivenernte war sehr gut. Wir hatten dieses Mal 16 Liter bestes Olivenöl und das Beste ist, es wurde in Italien auf seine Qualität geprüft und bekam die Note < Extra Virgen>. Gut was? Es schmeckt aber auch ganz besonders. Herzlichen Glückwunsch an Faisca. [Anmerkung des Empfängers: Faisca, ein ehemaliger Erzieher des Kinderheimes und Capoeira-Lehrer, hat bei der 1. Internationalen Capoeira-Weltmeisterschaft im Juni in Aserbaidschan den 5. Platz errungen] Das ist ja wirklich toll. Das ist ein toller Erfolg!!!! …………. Es sieht so aus, als ob wir nun wirklich im September nach Deutschland kommen, mal sehen. Euch allen einen dicken Abraço und ein parabéns [Anmerkung des Empfängers: Glückwunsch] an Faisca.

Svani

E-Mail von Oscar

Extrema, 17.9.2012

Liebe Renate,

Wir freuen uns zu wissen, dass ihr alle nach Brasilien kommt. Natürlich seid ihr alle willkommen im Recanto. Nur ist das Gästehaus belegt und das alte Voluntarios Haus … im Moment … sehr unbewohnbar. Ich werde Svani fragen, ob es möglich wäre, dass ihr auf dem Portão do Ceu (Name des Hauses für die älteren Jugendlichen in Extrema, bedeutet wörtlich übersetzt “Himmelspforte”) schlafen könnt. Ich glaube das wird schon gehen.

Über dass Heim folgendes:

Wir machen weiterhin eine schöne Arbeit. Immer mehr bin ich überzeugt, dass wir nicht umsonst das Heim “Recanto São Francisco” genannt haben. Damals waren es die Leprosen, die nicht mehr Anteil an der Gesellschaft nehmen durften, jetzt sind es die jungen Erwachsenen, die lange Zeit von allen vergessen worden sind und viel Unangenehmes haben verzehren müssen.

Diese junge Leute haben kaum Vertrauen, dass die Zukunft besser wird. Sie sind frustriert, verärgert, böse und ohne Aussicht.

Leider sind wir nicht viel weiter als damals im Mittelalter. Die Gesellschaft meint, dass es sich nicht lohnt, diesen verärgerten jungen Leuten zu helfen. Sie sind schon zu alt, haben zu viel mit erleben müssen und es wäre zu kostspielig da noch etwas zu unternehmen. Schlimmer noch … man wüsste nicht, ob es gute Resultate geben würde.

Deswegen vergisst man diese jungen Erwachsenen. Man versucht, die jungen Kinder zu retten. Die sollen schnellstens reintegriert werden in den Familien oder adoptiert werden.

Junge Erwachsene kann man nicht zurück in die Familie schicken, weil sie sich dort verlieren würden. Adoption ist auch schwierig, da, um so älter die Kinder sind, um so länger und schwieriger wird es sein die Kinder auf den richtigen Pfad zu bringen. Da braucht man viel Geduld, darf nicht aufgeben und braucht sehr viel Vertrauen, dass es irgendwie in Ordnung kommt, ohne zu viel zu erwarten.

Im sozialen Bereich möchte die Regierung (aber auch die Firmen) Resultate. Die brauchen gute Statistiken, damit gezeigt wird, dass viele Kinder re-integriert worden sind in die Familien … adoptiert worden sind und nicht, dass es so viele Kinder in Heimen gibt.

Was ist der soziale Mehrwert dieser Statistiken. Man sollte sich die Frage stellen, wo man einen Unterschied macht im Leben dieser Kinder. Kinder, die die Statistiken ausfüllen kommen gut aus ohne Sozialhilfe. Da wird das Leben von denen kaum geändert. Kinder, die nicht in den Statistiken vorgeführt werden können, brauchen soziale Hilfe … weil sie ohne Hilfe nur noch mehr abstürzen und … die Gesellschaft mit zunehmender Kriminalität mit nach unten schleppen würden.

Die jungen Erwachsenen, die ihre Grundrechte in den ersten Jahren nicht bekommen haben, kann man nicht in kurzer Zeit … neu erziehen. Da braucht man Zeit … viel Zeit.

Deswegen lohnt es sich nicht, weder für die Regierung … noch für Public Relations von den Unternehmen. Einfach zu viel Aufwand. Es sind die Leprosen unserer Gesellschaft in 2012.

Wir machen weiter. Kämpfen für sie, auch wenn sie selber und die Gesellschaft nicht daran glauben. Vielleicht hat das damit zu tun, Instrument Gottes Liebe zu sein … geben, ohne etwas zurück zu erwarten. Es geht ja nicht um das Resultat, aber ob man das Richtige tut.

Denke immer wieder, wir sind eine große Familie. Wir kommen von Gott und finden uns wieder in Gott. Sind alle auf dem gleichen Weg. Auf dieser Reise gibt es nur eine Aufgabe, wir müssen zusammen ankommen, alle müssen mit eingeschlossen sein. Bestimmt unsere Kinder! Vielleicht sollte man jede Gesellschaft neu betrachten im Vergleich, wenn man von Entwicklung und Errungenschaften redet: Wie behandeln die verschieden Gesellschaften ihre Kinder oder denjenigen, der unmündig ist … der sich nicht verteidigen kann.

Vielleicht muss man feststellen, dass sich gar nicht so viel geändert hat im Vergleich mit dem Mittelalter. Es gibt leider noch immer viele, die nicht mit eingeschlossen sind.

Hat der Recanto São Francisco nicht wahnsinnig viel zu tun mit eurer evangelischen Kirche. Wir möchten mit … einschliessen. Sind eine große Familie und so lange man tut, was man tun kann … ist man auf dem richtigen Weg. Auf einmal sieht man, dass man etwas, was man vorher für unmöglich gehalten hat, ermöglicht hat. Gott bietet uns Aufgaben und Erfolge, die man nicht immer versteht, aber … die unsere Nächstenliebe prüft. Geben … ohne etwas zurück zu erwarten. Wenn man am wenigsten erwartet … kommt es auf einmal. Gottes Wege sind nicht immer verständlich. Man braucht Vertrauen, dass es immer in Ordnung kommt.

Danke euch für eure Hilfe, Vertrauen und Bruderschaft. Alleine erzeugt man kleine Wunder. Zusammen ändert man die Zukunft der Menschheit.

Obwohl wir heute nur noch 25 Kinder betreuen und nicht immer die Unterstützung bekommen, die wir brauchen, können wir wenigstens sagen, dass jedes Kind, das wir aufnehmen durften, eine neue Möglichkeit bekommen hat … das Leben neu anzufangen.

Renate, ich hoffe, dass du diese Botschaft weitergeben kannst. Es sind keine einfachen Zeiten, aber mehr denn je zuvor gibt es heute junge Mitmenschen, die eine liebevolle Hand brauchen. Hoffe, dass wir noch lange zusammen diese Arbeit ausführen dürfen.

Um grande abraço para todos,

Oscar

(um grande abraço para todos = eine große Umarmung für alle)

E-Mail von Oscar mit Dank an das Trio Goban

Extrema, 5.3.2012

Liebe Renate, liebe Eine-Welt-Gruppe, liebe Frau Orianna Uhl, liebes Trio Goban und alle, die mit geholfen haben bei dem Benefizkonzert,

sind euch sehr dankbar für euren Einsatz, eure Begeisterung und Initiative. Wir werden von dem Geld versuchen, eine neue Waschmaschine zu kaufen. Wird zwar nicht ganz ausreichen, aber kommen in eine gute Richtung. Wir werden euch informieren, falls es uns gelungen ist, eine neue Maschine zu kaufen.

Unseren herzlichen Dank an Alle, die bei diesem schönen Resultat mitgearbeitet haben und … nicht in letzter Instanz … den Musikern.

Abraço,

Oscar

Brief von Frau Brigitte Wegenast

Tübingen, Februar 2012

Liebe Spender und Freunde,

fürs vergangene Spenderjahr 2011 möchte ich mich bei allen Mitwirkenden wieder einmal herzlich bedanken für das mir entgegengebrachte Vertrauen und die eingegangenen Spenden. Für das fast noch neue 2012 wünsche ich uns allen Gesundheit, Glück und ein offenes Ohr für die Nöte und Probleme unserer Mitmenschen. Dass dabei dann notgedrungen auch der Geldbeutel aufgehen muss, halte ich für das kleinere Übel. Gemeinsamkeit macht stark!

Über die Projekte der Brigitte-Wegenast-Stiftung, die im vergangenen Jahr noch die ursprünglichen geblieben sind, hat sich vor Ort in Brasilien im letzten Spendenjahr mein Mann informiert. Er war im November vergangenen Jahres in São Paulo und hat sich sowohl mit Oscar Brenninkmeijer vom Recanto São Francisco, als auch mit Darcy Carvalho, Vorsitzender der A.S.C.C.I. (Kinderkrebshilfe) getroffen und beraten.

Fangen wir einmal mit dem Recanto São Francisco in Extrema an. Das Heim musste nach brasilianischen Jugendgesetzen die Statuten ändern und nimmt zwischenzeitlich nur noch größere Kinder nach Einweisung durch das Jugendamt auf. Zur Zeit sind 30 Kinder untergebracht im Durchschnittsalter von 14 Jahren. Das Alter der neu aufgenommenen Kinder liegt zwischen 4 und 12 Jahren. Alle älteren, mit 18 Jahren entlassenen Jugendliche haben eine Stellung bei Firmen in der näheren Umgebung gefunden und werden durch berufsbildende Kurse an der Senai und Senac von uns weiter unterstützt.

Ein ausgesprochener Glücksfall ist der Neubau eines großen Hauses in Extrema, das ein holländischer Privatmann gebaut und als Wohnheim für die berufstätigen Jugendlichen zur Verfügung gestellt hat. Er kommt mindestens einmal im Jahr, hält mit den jungen Männern und Frauen den Bau in gutem Zustand und leitet die örtlichen Helfer und Verwalter an. Nur wer seinen Job behält, darf dort wohnen und muss dafür eine symbolische Miete bezahlen.

Ein sehr großes Problem sind für das Recanto São Francisco zwei 4 und 6jährige Kinder, die beide physisch und psychisch sehr krank sind. Durch gesteigerte Aggressivität brauchen sie Einzelbetreuung rund um die Uhr. Da es in Brasilien keine psychiatrischen Anstalten für Kinder gibt, gibt es auch keine Möglichkeiten, die beiden Kranken weiterzuvermitteln. Die Gehälter der Betreuungspersonen wiegen schwer im monatlichen Finanzplan. Eine Lösung haben wir bisher noch nicht dafür gefunden. Weitere fortlaufende Spenden sind im Fall Recanto São Francisco zur Lebensgrundlage der Kinder, ihrer Bildung und ihres Wohlergehends dringend erforderlich.

Auf jeden Fall ist es weiterhin wichtig, die Spenden, die zielgerichtet an Oscar Brenninkmeijer im Recanto São Francisco gehen sollen, so zu kennzeichnen. Sie kommen dann nach wie vor nur dort an.

Für heute alles Gute, vielen Dank und auf weitere gute Zusammenarbeit. Ihre und Eure

Brigitte Wegenast

E-Mail von Oscar

Extrema, 8.2.2012

Liebe Renate,

Paz e Bem. Spät tue ich dir schreiben, aber die Bilder sollten schon da sein. Emerson hat mir bestätigt, dass er 30 Fotos geschickt hat… Ich möchte noch was sagen über das Heim.

Erstens möchten wir euch gratulieren zu 20 Jahren Sozialarbeit. Wir wissen, dass man so etwas nur durchhält, indem man spirituell motiviert ist. So ändern man Schritt für Schritt die Welt und unsere große Familie. Danke, dass wir so viele Jahre bedacht worden sind.

Es tut sich vieles im Heim. Haben uns anpassen müssen. Wir sind runter von 85 auf 31 Kinder. Dürfen nicht mehr Kinder als 40 aufnehmen. Es geht ja nicht um die Anzahl. Es geht um Qualität, möchten aber eine Sozialarbeit leisten, die von Anderen nicht gegeben wird und wirklich Unterschied bietet für die Zielgruppe. Das heißt, dass wir keine Kleinkinder mehr annehmen. Es gibt zu viele Familien in Brasilien, die adoptieren möchten und scharf darauf sind, ein Kind für kurze Zeit versorgen zu dürfen und … vielleicht damit eine kleine Möglichkeit zur Adoption bekommen können. (Extrema hat 30.000 Einwohner und 150 Familien eingeschrieben für Adoption.)

Ebenfalls versuchen wir, die Kinder vor dem Alter von 12 aufnehmen zu können. In 20 Jahren haben wir erfahren dürfen, dass Kinder erst aus dem Risiko geholt werden, nachdem sie selber re-agieren. Das heißt: selber anfangen zu stehlen, Vandalismus betreiben, mit Drogen handeln, sich prostituieren und so weiter. Kinder sollten aufgenommen werden in einem Heim als Schutzmaßnahme und nicht damit die Gesellschaft geschont wird (da liegen die Prioritäten verkehrt). Leider sind wir noch lange nicht so weit. Jedes Kind, das von uns aufgenommen wird, ist im Durchschnitt 6 Jahre vom Kinderschutz begleitet worden, bevor es zu uns kam. Dies sollte man verbessern … deswegen unsere Haltung irgendwie stur zu sein, wo es die Annahme von jungen Erwachsenen betrifft. Trotzdem ist das Alter im Schnitt ungefähr 14 Jahre.

Wir haben heute einen Anwalt, der uns zur Seite steht. Hört sich komisch an, aber … kommen nicht ohne aus. In Brasilien muss man die Kinder innerhalb 2 Jahre zurück in die Familie geben oder zur Adoption freigeben. Da die Kinder erst spät zu uns kommen, dauert es auch länger, bevor man positive Resultate erreicht. Da braucht man einen Anwalt, um die Zeit zu bekommen, die das Kind braucht, sich selber wieder zu finden. Auch Adoption ist kein Impuls sondern ein Prozess. Es muss begleitet und eingeleitet werden, damit es das gewünschte Resultat bekommt. Kinder und Adoptiveltern sollten sich gegenseitig akzeptieren … das dauert. Auch hier braucht man den Anwalt, damit das Kind … nicht nochmals von Eltern verlassen wird.

Dieses Jahr werden wir neben der Republica, die es schon gibt, ein Haus eröffnen, wo junge Erwachsene, die arbeiten und gleichzeitig studieren, wohnen und betreut werden können. Dieses Haus werden wir im Dorf aufbauen und bekommt einen Erzieher, der verantwortlich sein wird. So brauchen diese Jugendlichen nicht mehr in der Nacht hochzufahren. Wir haben weiterhin Unterstützung von Esperança Educação(ein Verband für Bildungsförderung für die jungen Erwachsenen). Sie bieten bolsas de estudo (Stipendien) an, sowohl für Universität als auch für die Hochschule und Berufsausbildung. Sind froh, dass fast alle jungen Erwachsenen, die uns schon verlassen haben, Arbeitszeit bis zum 31sten März. Wegen den Wahlen Ende des Jahres dürfen die Gemeinden keine neuen Abkommen unterzeichnen.

Weiterhin geht der Plan mit der Olivenkultur weiter. Bis Ende nächsten Monats haben wir 5000 Bäume gepflanzt. Glaube eine große Leistung. Es wird zwar noch ein wenig dauern, aber….ein gutes Einkommen in der Zukunft ist damit gewährleistet.

Auf die Frage, wo das Geld investiert wird, folgendes: Normal gesprochen sollte man aus Abkommen mit den Gemeinden Gehälter und tägliche Ausgaben zahlen können. Wir haben das nie geschafft, haben aber die Aussicht, dass es uns bis Ende das Jahres gelingen wird (die Wahlen hindern uns). Geld ist also immer kurz. Was wir normalerweise machen, falls es eine nicht vorgesehene Spende gibt … ist, diese Überraschung weiterzugeben in irgendetwas Extras … nicht Vorgesehenes. Einen Ausflug, Uniforme für eine Mannschaft, Reparatur von gemeinnützlichen Spielen/Fernseher, Schulmaterial, das fehlt, ein Geburtstagsgeschenk etc. Spüren aber wie viele Andere in Brasilien wie schwierig es wird, Hilfe vom Ausland zu bekommen. Ein kleines Beispiel: SOS Kinderdorf hat im letztem Jahr 80% weniger eingenommen aus Deutschland als vorher. Unsere Kinder können nichts dafür, dass es in Europa Probleme gibt, Afrika auf dem Boden liegt und Präsident Dilma Geld leiht an europäische Banken. Wir kämpfen aber weiter und wissen, dass Gott immer wieder neue Türen öffnet.

Sind froh, dass immer mehr Jugendliche in der Industrie Arbeit finden können. Die Kurse der SENAI helfen sehr positiv. Es kommt kaum vor, dass einer der Jugendlichen ohne Arbeit ist. Die jungen Leute tun sich auch außerhalb des Waisenheims zusammen. In kleinen Gruppen mieten sie ein Haus, wodurch Geld gespart wird und die Jugendlichen auch nicht isoliert leben müssen. Die große Mehrheit behält Kontakt mit dem Heim … auch nachdem sie das Heim verlassen haben. Auch hier sehen wir, dass eine Beziehung des Vertrauens gestaltet worden ist.

Schwester Floridalma gibt Unterricht. Kinder, die nicht alphabetisiert worden sind, bekommen die Priorität. Leider ist das immer ein sehr großer Teil. Auch die spirituelle Formung ist ihre Verantwortung. Pater Edson liest fast jede 15 Tage eine heilige Messe und gibt Angestellten Orientierung über christliche Werte. Igor aus Holland bereitet wie jedes Jahr Anfang des Jahres einen Auftritt vor im Cinetheater. Eine Vorführung, wo Zirkuskünste vorgezeigt werden.

Liebe Renate … Zusammen mit den Fotos hast du etwas Neues.

Alles Gute … Abraço,

Oscar

(Paz e Bem = Frieden und alles Gute)

E-Mail von Frau Brigitte Wegenast

Tübingen, 22.1.2012

Liebe Frau Rothe,

… Das vergangene Jahr war mühsam und anstrengend. … Aus diesem Grund war ich auch nicht in Brasilien, mein Mann hat meine Aufgaben dort wahrgenommen, als er im November in São Paulo und Rio war.

Er selbst war nicht im Recanto, hat sich aber mit Oscar in São getroffen. Die Lage im Recanto ist wieder auf dem aufsteigenden Ast, nachdem Oscar wieder das Ruder in die Hand genommen hat. Finanzielle Schwierigkeiten treten vermehrt auf, nachdem die Spenden aus dem Ausland weniger fließen und der Wechselkurs zu Euro und Dollar sehr niedrig ist. …

Nach dem Bericht meines Mannes befinden sich z.Zt. 30 Kinder im Heim, im Durchschnittsalter von 14 Jahren. Zwei davon sind jünger, sehr schwer geschädigt und brauchen 24 Stunden Rundumbetreuung. Die älteren, entlassenen Jugendlichen haben laut Oscar eine Anstellung in Extrema und Umgebung gefunden.

Nachdem das Geld wirklich (eigentlich wie immer) knapp ist, haben sich Oscar und Ulff und Svani entschlossen, für eigene Einkünfte für das Heim zu sorgen. Sie haben 4500 Olivenbäume gekauft und gepflanzt, weitere sollen folgen. Eine eigene Ölmühle soll aufgebaut und selbst bewirtschaftet werden – das wäre doch zum Beispiel ein guter Aufhänger für Spender: Hilfe zur Selbsthilfe. Olivenbaumpflänzchen und finanziellen Beitrag zur Anschaffung einer Ölmühle, man könnte dann Oscar bitten, die Kinder beim Pflanzen zu fotografieren und auch von der ersten Ölproduktion, die aber sicher eine Weile in Anspruch nehmen wird.

Eine Freundin von mir aus São Paulo hat es als Rechtsanwältin geschafft, endlich die Utilidade Publica Federal, Utilidade Publica Estadual und Municipal durchzudrücken. Ein endloser Papierkrieg, den Oscar zwar immer angegangen ist, es aber es nie geschafft hat. Dadurch hat das Heim große Einsparungen an Steuern, Stromversorgung etc. Das soll jetzt ab Januar diesen Jahres greifen.

Ganz herzliche Grüße, …

Ihre Brigitte Wegenast

(Utilidade Pública Federal/Estadual/Municipal = Wohltätigkeitsorganisation von öffentlichem Interesse auf Ebene des Staates/des Bundeslandes/der Kommune)