Weihnachtsbrief an die Franziskanische Basisgemeinde

Extrema, Weihnachten 1994

Liebe Margarete M., Franziskanische Basisgemeinde,

lange habt ihr nichts mehr aus Brasilien vernommen. Es geht uns aber gut. Das Heim funktioniert, es hat jetzt 18 Kinder, der Bau ist zu Ende. Wir sind glücklich über eure und Gottes Hilfe. Allein hätten wir das nie geschafft. Die Kinder sind im Alter von 6 bis 16 Jahren. Die jüngeren Kinder werden bis jetzt schnell adoptiert. Auch hier ist das Interesse an Babys groß. Die älteren Kinder bleiben zurück. Da hat das Leben tiefe Narben zurückgelassen. Da dauert es lange bevor das verlorene Vertrauen in die Welt und in die Menschheit zurück gefunden ist. Zum Glück helfen das Grün, Wasser und Berge die Energie neu zu kanalisieren. Im Heim ist viel Platz für Spiel und Aktivität. Da wird geschwommen, gepflanzt und Brot und Käse gemacht. Nach einer gewissen Zeit gibt es weniger Aggressivität und es ist mehr Platz für Friede und Harmonie. Wo gute Absichten alleine nicht ausreichen, hilft die Erfahrung uns heute die Probleme zu lösen. Dass wir ein zweites Ehepaar gefunden haben, das bereit ist, bei uns einzuziehen und die Hilfe von einem Mädchen aus Kanada und ein junger Mann aus der Schweiz haben die Situation noch verbessert.

Für eure Hilfe vielen Dank. Frohe Weihnachten und ein friedliches 1995 voller Licht und Liebe.

 

Originalbrief

Weihnachtsbrief von Oscar, Renata und Kinder

Extrema, Weihnachten 1994

Liebe Margarete, Uwe, Renate, Eva-Maria, Carola, Marion und die Kundschaft vom “Eine Welt Laden”,

glücklich stehen wir am Jahresende. Unser Heim funktioniert. 18 Kinder haben wir. Nächste Woche werden es 21 sein. Unsere Familie wächst. Wir haben jetzt ein zweites Ehepaar gefunden, das bereit ist bei uns einzuziehen. Ein Schweizer und eine Kanadierin, die beide freiwillig mithelfen, werden die Leitung für ein halbes Jahr auch noch verstärken. Die Arbeit kommt deswegen gut voran.

Die Jugendlichen sind im Alter von 6 bis 16  Jahren. Kleinkinder haben wir nur für kurze Zeit. Die werden auch hier in Brasilien schnell adoptiert. Es sind die Älteren, die zurückbleiben. Meistens weil sie schon so viel erlitten haben, das verlorene Vertrauen in die Welt und die Erwachsenen, eine ab und zu aggressive Haltung, und bestimmte Errungenschaften von der Straße, die direkt abschrecken.

Auch wenn die Außenwelt unsere Kinder als schwere Fälle bezeichnet, haben wir viel Vertrauen für die Zukunft. Unser Bauernhof bietet eine Umgebung, in der Energie gesteuert wird. Viel Grün, Wasser, Berge und Tiere motivieren die Kinder zu aufbauenden Aktivitäten. Allmählich wird Selbstvertrauen zurück gefunden. Und wir freuen uns über neugeborene Kinder, die nur spielen und die Welt erobern wollen.

Wir haben aber nicht immer Erfolg. Wir müssen einsehen, dass wir Grenzen haben. Vier Kinder haben wir weiter schicken müssen. Wir waren nicht im Stande, ohne unsere Prinzipien und unseren Familiengeist aufzugeben, ihnen zu helfen. Da ist das Wohlbefinden der ganzen Gruppe in Gefahr. Helfen können wir nur denjenigen, die Wert auf das legen, was wir zu bieten haben. Wir haben viel lernen dürfen. Dort, wo in der Vergangenheit die guten Absichten nicht ausgereicht haben, bringt jetzt die Erfahrung Lösungen. Streitereien gibt es immer, aber wir können uns heute eine harmonische und liebevolle Familie nennen.

Im allgemeinen sind die Kinder gesund. Das erste Bad und neue Kleidung machen das erste Wunder. Nach einer Weile sind die meisten auch wurmfrei. Auch wird kaum noch auf dem Kopf gekratzt. Brillenträger werden versorgt und Zähne umgebaut (Was keine leichte Aufgabe ist in einem Land, in dem mehr Zucker als Gemüse gegessen wird).

Vier Kinder haben die Begleitung eines Psychologen. Das muss noch verbessert werden. Vielleicht, dass wir in Zukunft einmal in der Woche jemanden ins Heim bekommen, es ist eine Notwendigkeit.

Ana Teresa, sie ist geistig behindert, kommt auf der Sonderschule gut voran. Die ersten Leseversuche werden schon gemacht. Viel Erfolg in der Schule haben wir leider nicht, nur vier Kinder haben das Jahr bestanden. Viele sind aber spät im Jahr in die Schule eingetreten. Das wird sich bestimmt bessern. Viele Ärzte und Rechtsanwälte werden wir aber nicht erzeugen. Muss ja auch nicht sein. Hauptsache, dass jedes Kind seine Fähigkeiten entfalten kann, die sind ja bei jedem Kind anders.

Es ist gut zu wissen, dass wir mit euch in einer Welt leben, dass es eine Verbindung gibt. Wir glauben, dass unser Heim für die kleine Gruppe wichtig ist. Sie haben jetzt eine neue Hoffnung, eine neue Zukunft, eine Familie. Dafür dass es uns gibt, müssen wir euch danken. Ohne eure Unterstützung wäre es schwierig unser Heim aufrecht zu erhalten. Im Namen der Kinder unseren herzlichen Dank, frohe Weihnachten und viel Licht, Liebe und Frieden für 1995.

Hoffentlich können wir im nächsten Jahr auch mit euch rechnen.

Oscar, Renata und Kinder

Viel Erfolg beim Verkauf.

 

Originalbrief

2. Brief von Oscar

Extrema, 11.11.1994

Liebe Margarete, Uwe, Renate, Eva Maria, Carola, Marion,

Zuerst herzlichen Dank für die zweite große Unterstützung, die ihr uns zugesagt habt.

Damit wir das Geld erhalten, frage bitte Ulff. Entweder er bringt es uns persönlich, auch wenn das ein wenig dauern würde, oder er deponiert den Betrag auf dem Konto, welches er für uns eröffnen wird.

Mit unserer Arbeit kommen wir gut voran. Es gibt jetzt ein zweites Ehepaar. Für uns eine große Hilfe. Die Begleitung der Kinder ist damit sehr verbessert.

Es braucht viel Liebe, Geduld, Toleranz und Verständnis. Die Kinder sehen nach einem Bad und neuer Kleidung aus wie alle anderen. Aber der erste Eindruck täuscht. Das Leben hat aus ihnen ängstliche, misstrauische und aggressive Wesen gemacht. Damit eine Alternative für Lügen, Schlägereien, Drogen, Diebstahl, Vandalismus und sexuellen Missbrauch aufgebaut wird, brauchen wir viel Zeit.

Liebe heilt mit der Zeit alle Wunden. Wir versuchen ein Zusammenleben aufzubauen, in dem Kinder stimuliert werden, wo es Gerechtigkeit gibt, indem es sich sicher fühlt und akzeptiert wird, wo es unterstützt wird, damit es Selbstvertrauen und Vertrauen in andere bekommt.

Wir versuchen ein Verhältnis aufzubauen, das einen Ersatz bietet für die verlorenen Eltern.

Um das zu erreichen, ist unser “Recanto São Francisco” da. Weit von der Stadt entfernt. In einer Berglandschaft. Fast wie eine Insel. Es entspricht ganz gewiss nicht der Wirklichkeit der Außenwelt. Aber das muss ja nicht sein. Hier möchten wir zeigen, dass das Leben schön sein kann. Das alles, was lebt, Wert hat und die Schöpfung ein Gottesgeschenk ist. Dass die Welt im letzten Ende so schön oder schlecht sein kann, wie wir sie selber sehen möchten.

Jede Hilfe nehmen wir mit Dank entgegen. Aber wo möglich suchen wir Patenschaften für unsere Kinder. Eure Gruppe hat mit dieser Unterstützung eine Patenschaft gewährleistet.

Bis Ende des Jahres hoffen wir einen Prospekt mit Fotos erarbeitet zu haben. Diese Prospekte werden euch bei der Werbung helfen.

Wir wünschen euch viel Erfolg mit eurem Laden. Ich hoffe, dass eure Tätigkeit zu “einem neuen Bewusstsein” beiträgt.

Alles Liebe und Gottes Segen,

Oscar.

 

Originalbrief

1. Brief von Oscar und Renata

Extrema, 1.11.1993

Liebe Frau Renate R.,

darf ich uns vorstellen? Oscar und Renata, wir führen zusammen das Waisenheim in Extrema, Brasilien.

Von Ulff B. haben wir eine Spende von 600 DM und die Zusage von weiterer Unterstützung bekommen im Namen Ihrer Gruppe. Dafür möchten wir euch ganz herzlich danken.

Was ist unser Ziel? Wir möchten brasilianische Straßenkinder aufnehmen auf unserem Bauernhof und ihnen dort eine positive Lebenseinstellung mitgeben fürs Leben.

Wo wird das stattfinden? Auf einem Bauernhof im Süden von Minas Gerais. Wir haben dort Hühner, Kühe, Pferde, Ziegen, Gänse und Fischteiche. Haben einen eigenen Gemüse- und Obstgarten und vor allem viel Grün und Wald.

Wie möchten wir das erreichen? Durch eine aktive Teilnahme am Leben auf dem Lande. Jedes Kind wird Verantwortung übernehmen, betreut ein Tier und macht mit im Gemüsegarten. Außerdem gibt es die Möglichkeit mit Holz und Stoff zu basteln, damit Fähigkeiten angelernt werden. Betreut werden sie von uns, unterstützt von mehreren Angestellten, die alle auf dem Gelände leben.

Wann geht es los? Im Dezember kommen die ersten 8 Kinder aus São Paolo. Zuerst werden wir arbeiten mit bis zu 30 Kindern. Später werden wir zusätzlich Kinder aufnehmen während der Schulferien, damit sie Urlaub und Workshops bei uns machen können.

Wir sind überzeugt, dass wir im Stande sind, sowohl die materiellen als auch emotionellen Förderungen den Kindern bieten zu können.

Wir werden sie so lange erziehen, bis sie im Stande sind ein eigenes Leben in voller Verantwortung zu übernehmen.

Unser Bauernhof ist dafür bestimmt ein sicherer und stimulierender Platz. Ich hoffe, euch damit vorläufig ein Bild geschildert zu haben. Bestimmt ist Ulff in der Lage, jede weitere Frage zu beantworten. Wenn nicht, sind wir immer bereit, weitere Informationen schriftlich zu ermitteln.

Wir fügen eine Quittung bei für eure Spende.

Mit ganz herzlichen Grüßen,

Oscar + Renata Brenninkmeijer Benke

 

Originalbrief

Allgemeiner Brief von Oscar und Cynthia

Extrema, 1993

HELFT UNS HELFEN.

Die Vereinigung “Recanto São Francisco” ist eine karikative Gemeinschaft. Es ist unser Ziel, elternlose Kinder Brasiliens zu erziehen, in einer christlich-familiären Umgebung.

Vieles ist schon aufgebaut: drei Häuschen für Angestellte, Scheune, Fischteiche, Straßen, Zäune, Obst- und Gemüsegarten.

Das Haupthaus ist fast fertig. Der erste Bauabschnitt, mit einer Kapazität von dreißig Kinder, wird Anfang des zweiten Semesters 1993 eingeweiht. Bis Ende des Jahres werden wir bis zu sechzig Kinder aufnehmen können.

Damit eine richtige Familienatmosphäre gewährleistet wird, werden zwei Ehepaare sich 24 Stunden pro Tag den Kindern widmen. Dabei werden sie unterstützt von verschiedenen Angestellten, die aber alle auf dem Gelände wohnen werden.

Wir werden Waisenkinder, ohne Familienangehörige, im Alter bis zu acht Jahren, bevorzugen.

Wir können uns vorstellen, dass in der Zukunft auch ältere Kinder oder sogar Kinder, die körperlich oder mental behindert sind, aufgenommen werden können. Das aber erst dann, wenn die Betreuung von erfahrenen Erwachsenen übernommen werden kann, damit die Gewissheit besteht, dass das Wohlbefinden der Gruppe gewährleistet ist.

Die Kinder werden, wie alle anderen aus der Gegend, in der Stadt zur Schule gehen, damit die Integrierung in die Gesellschaft gefördert wird.

Auf unserem kleinen Kinder-Bauernhof werden die Kinder ungehemmt spielen und sich entfalten können. Die verschiedenen Aktivitäten wie Holzarbeiten, Spinnen, Weben, Nähen, Stricken, Bienen und Fischkulturen werden sie dazu anregen.

Alles, was mit Liebe gemacht wird, verstärkt den Eigenwert von Kindern, die nicht immer unter den besten Umständen aufgewachsen sind. Damit wir uns ganz den Kindern widmen, und ihnen menschliche Wärme gegen können, brauchen wir Hilfe für unsere Initiative.

Besonders interessiert sind wir an “Paten”, die sich finanziell einsetzen möchten für “ihr Patenkind”, im Recanto São Francisco. Ein Beitrag von US$ 50,- pro Monat würde pro Kind eine halbe Patenschaft bedeuten. Eine ganze Patenschaft würde dementsprechend US$ 100,- kosten.

Interessierte können das Anmeldeformular ausfüllen und uns zusenden ohne weitere Verpflichtungen. Ihre Spenden können Sie überweisen auf unser Konto. Ihre Unterstützung nehmen wir liebevoll entgegen.

Herzlichen Dank,

Oscar und Cynthia

 

Originalbrief

Erstes Schreiben der Eine-Welt-Gruppe

Leutershausen, Frühjahr 1993

Wir leben in einem Ort mit 6000 Einwohnern im Süden von Deutschland, nahe bei Heidelberg. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist katholisch. Unsere Jugendgruppe besteht seit 2 Jahren, wir heißen Sascha, Uwe, Margarete und Eva-Maria.
Uwe (32) und Margarete (30) sind verheiratet und haben zwei Kinder: Florian (4) und Dorothée (8).
Sascha (20) beginnt im Herbst sein Physikstudium.
Eva-Maria (17) geht im vorletzten Jahr zur Schule.
Den Verkauf führen wir seit April 92 durch, die Pfarrgemeinde unterstützt uns, aber das Kaufinteresse ist noch nicht so wie wir es uns wünschen würden. Deshalb denken wir auch, wenn wir konkret über Menschen in der „3. Welt“ erzählen können, haben die Gemeindemitglieder einen besseren Zugang und verstehen besser, warum sie ihre Lebensmittel bei uns kaufen sollten.

Brief von Frau Gisela Döbler

Liebe Frau R.,

nun habe ich endlich ein Schreiben und ein Bild von dem Waisenhaus, das in den nächsten Wochen seiner Bestimmung übergeben wird. Wie mir Oscar in einem persönlichen Brief mitteilte beginnen sie erstmal mit 30 Kindern, um alles Schritt für Schritt aufzubauen. Er schreibt außerdem, dass noch Betten, Möbel, Geschirr, Wäsche und viele kleine Sachen fehlen. Ich denke, dass die Unterstützung dieses Projektes gut und sinnvoll ist, dazu kommt, dass dieses Waisenhaus mit seiner Grundhaltung religiös fundiert ist. Es wurde ein Videofilm von dem Projekt gedreht, der noch kopiert werden soll. Sobald ich ihn in Händen habe, werde ich Ihnen den Film zuschicken.

Ich hoffe, dass es Ihnen und Ihrer Familie gut geht.

Liebe Grüße an Sie und Ihre Familie,

Gisela D.

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

 

1993_Brief_von_Frau_Gisela_D