Brief von Oscar, Renata und Kinder

Extrema, 20.4.1995

Liebe Renate, liebe Eine-Welt-Gruppe,

Wir haben uns wieder wahnsinnig gefreut. Erstens weil wir wissen, dass ihr noch immer weitermacht. Dass ihr die Kraft und Motivation habt, trotz Schwierigkeiten, weiter zu machen, wenn es auch in Deutschland schwierig wird.

Liebe Gruppe, eure Hilfe ist ganz wichtig für uns. Auch wenn wir mit Freiwilligen arbeiten und oft Kleidung oder andere Sachen bekommen, sind unsere Ausgaben groß.

Brasilien hat nicht nur soziale, sondern auch große wirtschaftliche Probleme im Moment. Für eine DM bekommen wir im Vergleich zum Juni 1994 ganze 40% weniger. Die gute Seite ist, dass wir gezwungen sind umzuschalten. Nicht nur sparen, sondern auch mehr Hilfe in Brasilien suchen. Dies ist aber sehr schwierig. Mit Gottes Hilfe werden wir das schaffen.

Vorläufig haben wir noch große Kosten, um die Infrastruktur aufzubauen. Werkzeuge und Material sind teuer. Aber zum Glück fängt der “Sitio” an zu produzieren. Für die Kinder sind das Land und die Tiere eine Freude. Für uns eine Hilfe zum Überleben. Wir fühlen uns sehr von euch geholfen. Da ist es nicht so wichtig wie viel ihr spendet, aber dass ihr spendet. Heute aber genauso wichtig wie morgen. Für unsere Kontinuität müssen wir kämpfen.

Weiterhin geht es uns gut. Unsere große Familie wird sich bald auf 25 Personen konsolidieren. Wir machen dann zuerst mal halt, weil die Lebensverhältnisse über alles einer Familie ähnlich bleiben müssen.

Die Kinder machen große Fortschritte. Wenn sie von der Straße von uns aufgenommen werden, wissen wir nie, ob wir wirklich helfen können. Nur wenn sie wollen und Hilfe akzeptieren, sieht man bald Besserung. Zum Glück können wir jetzt positiv voller Hoffnung von unseren Kindern reden. Langsam entfalten sie sich als normale Kinder voller Lebensfreude, Liebe und Glauben, aber auch Verantwortung und Respekt vor den Rechten anderer.

Liebe können diese Kinder nun geben, falls sie die Liebe bekommen werden. Das ist die beste Therapie um Hass, Ängste, Frustrationen, Aggressivität und Misstrauen zu beseitigen. Das ist für uns eine große Verantwortung und eine wunderschöne Herausforderung. Wir danken Gott für alle, die uns helfen, für das Wenige, das wir aufbauen dürfen und für die Arbeit, die wir mit den Kindern durchführen dürfen. Wir lernen und wachsen zusammen mit den Kindern.

Wir haben zum Glück ein Bankkonto in Deutschland eröffnen können. Da werden die Kosten durchaus weniger sein, um Spenden zu überweisen. Vielleicht auch für euch eine interessante Alternative.

Viele liebe Grüße,

Oscar, Renata und Kinder

 

Originalbrief