Auszüge aus der diesjährigen Jahres-Pressekonferenz von Fairtrade Deutschland, MTB 13.6.20


Fairtrade-Prämie fließt in Maßnahmen gegen das Virus
Produzentenorganisationen im globalen Süden erhalten für Fairtrade-Verkäufe stabile Mindestpreise als Sicherheitsnetz gegen schwankende Weltmarktpreise und einen zusätzlichen Aufschlag, die Fairtrade-Prämie.
Durch Verkäufe für den hiesigen Markt belief sich allein die Prämie auf 38 Millionen Euro. „Gerade jetzt ist die Prämie wichtig, weil sie oft die einzige Rücklage ist, die Produzenten haben. Wir sehen vorbildliche Maßnahmen
wie Aufklärungskampagnen und die Anschaffung von Hygienemitteln, aber auch, dass damit Einkommenseinbußen kompensiert werden“, erläuterte Mary Kinyua, Vorsitzende des Produzentennetzwerks Fairtrade Africa. „Neben der Angst um die Gesundheit sind die wirtschaftlichen Folgen dramatisch: Auf Blumenfarmen wurden im März tausende Beschäftigte entlassen. Bei Rohstoffen, für die die Ernte noch aussteht, fehlen Erntehelfer. Wo die Ernte eingeholt ist, ist die Logistik unsere Sorge. Mobilitätseinschränkungen machen den Transport zum Hafen schwieriger und teurer. Wir hoffen, dass die Häfen offen bleiben.“

Wirtschaftlicher Wiederaufbau nicht auf Kosten der Ärmsten
„Die Auswirkungen der Corona-Krise sind am Anfang der Lieferketten besonders dramatisch. Umso wichtiger, dass sich die auftraggebenden Unternehmen in diesen Ländern endlich an menschenrechtliche Standards
halten“, betonte Johanna Kusch, Koordinatorin der Initiative  Lieferkettegesetz. Die Preise von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Produkten schwanken extrem. In der Textilbranche haben Zulieferer in Südostasien mit stornierten Lieferaufträgen zu kämpfen, Fabriken schließen und Menschen bleiben ohne jegliche Absicherung
zurück. „Viele Unternehmen arbeiten jetzt an krisensicheren Lieferketten und einem besseren Risikomanagement. Dafür ist zentral, dass sie auch Menschenrechte und Umweltschutz in den Blick nehmen.
Das wird nur funktionieren, wenn die Bundesregierung mit einem Lieferkettengesetz alle Unternehmen dazu verpflichtet.“

Thilo Hoppe, für Brot für die Welt Aufsichtsratsmitglied von TransFair, ergänzte: „Wenn wir von systemrelevanten Berufen sprechen, gehören dazu Bauern weltweit genauso wie Arbeiterinnen in Textilfabriken, auf Blumen- und Teeplantagen. Entwicklungsminister Müller sagte völlig zu Recht, dass die Corona-Pandemie ein Weckruf für stärkere internationale Zusammenarbeit ist. Wir müssen dringend einen verantwortungsvollen Weg aus der Krise finden, der als Blaupause dient für künftige globale Herausforderungen wie die Klimakrise!“
(Quelle: Presseinformationen zum Wirkungsbericht 2019/20 von Fairtrade Deutschland)

Artikel aus dem Mitteilungsblatt Nr. 24, 13.06.2020